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Nachfolge & Exit

52 Jahre, 400 Millionen: Was der Trixie-Deal über den deutschen Mittelstand verrät

1974 lieferte Bonnik Hansen Hundeknochen aus dem Auto. Im Juli 2026 verkaufte er 80 Prozent seiner Firma für bis zu 400 Millionen Euro an einen US-Konzern. Ein Lehrstück über Nachfolge, Teilverkäufe und den Wert von Kontinuität.

Standfirst: 1974 lieferte Bonnik Hansen Hundeknochen aus dem Auto. Im Juli 2026 verkaufte er 80 Prozent seiner Firma für bis zu 400 Millionen Euro an einen US-Konzern. Der Deal ist ein Lehrstück über Nachfolge, Teilverkäufe und den Wert von Kontinuität.

Der Deal in fünf Sätzen.
Central Garden & Pet (NASDAQ: CENT), ein US-Konsumgüterkonzern mit 3,1 Milliarden Dollar Umsatz, erwirbt rund 80 Prozent an der Trixie Heimtierbedarf GmbH & Co. KG aus Tarp in Schleswig-Holstein.[10] Die Gesamtvergütung beträgt bis zu 400 Millionen Euro, davon rund 340 Millionen in bar und bis zu 60 Millionen als Earn-out, gekoppelt an das Ergebnis 2026.[14] Verkäufer sind Gründer Bonnik Hansen sowie die Gesellschafter Dirk Jessen und Volker Haak; das Management bleibt komplett an Bord, Jessen und Haak behalten Minderheitsanteile.[10] Der Vollzug ist für die erste Hälfte des Central-Geschäftsjahres 2027 vorgesehen, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.[14] Beraten wurden Trixie von der Deutschen Bank und Gibson Dunn, Central von Rothschild & Co und Freshfields.[10]

Der Mann, der mit Hundeknochen anfing

Bonnik Hansen ist Däne. 1974, da war er 25, stieg er in Flensburg ins Auto und fuhr von Geschäft zu Geschäft, ein kleines Sortiment Haustierbedarf im Kofferraum.[12][11] Aus dem Ein-Mann-Lieferdienst für Hundeknochen wurde über fünf Jahrzehnte der europäische Marktführer für Heimtierzubehör.[13]

Heute beschäftigt das Unternehmen rund 600 Menschen aus 27 Nationen, beliefert mehr als 30.000 Fachhändler und führt über 6.000 Produkte, rund 90 Prozent davon unter eigenen Marken.[10][13] Rund 500 neue Produkte kommen pro Jahr dazu, entwickelt von einem internen Design-Team.[10] Exportiert wird in über 100 Länder, 60 Prozent des Umsatzes entstehen außerhalb Deutschlands.[13] Seit 2002 sitzt die Firma in Tarp, auf einem Gelände mit 52.000 Quadratmetern Lagerfläche.[13]

2019 stellte sich das Unternehmen neu auf: Marktforschung, die Leitidee „Freunde fürs Leben“, ein neues Erscheinungsbild.[13] In die Logistik flossen wiederholt Investitionen, zuletzt 15 Millionen Euro in ein vollautomatisches Hochregallager.[13]

Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte mit stillem Ende. Aber Hansen ist inzwischen 77, seine Firma 52 Jahre alt, und die Frage, wer das Lebenswerk fortführt, ließ sich nicht länger aufschieben.[12][11] Beantwortet hat er sie anders als viele: nicht mit einem Komplettverkauf, sondern mit einem Teilverkauf an einen ausländischen Konzern. „In der Suche nach einem Partner war es uns wichtig, ein Unternehmen zu finden, das unsere Werte, unsere Kultur und unser langfristiges Denken teilt“, sagt Hansen.[2]

Was genau passiert ist

Central Garden & Pet übernimmt rund 80 Prozent der Anteile.[14] Hansen, Jessen und Haak verkaufen also nur einen Teil und bleiben mit rund 20 Prozent und einem Teil des Managements im Boot.[10][14] Für den verbleibenden Anteil gibt es Put- und Call-Rechte über mindestens drei Jahre: Die Altgesellschafter können Central verpflichten, die Anteile zu kaufen – und umgekehrt.[14]

Der Kaufpreis ist zweistufig: rund 340 Millionen Euro Cash beim Abschluss, plus ein Earn-out von bis zu 60 Millionen Euro, abhängig vom Ergebnis 2026.[14] So trägt der Verkäufer einen Teil des unternehmerischen Risikos, profitiert aber auch, wenn das Geschäft weiter wächst.

Deal-Struktur: bis zu 400 Mio. €
Deal-Struktur: bis zu 400 Mio. €

Die Führung bleibt, wie sie war: Dirk Jessen, Burkhard Friedrichsen und Danny Bollerey leiten das Unternehmen weiter, Jessen und Volker Haak sind zusätzlich als Minderheitsgesellschafter dabei, Haak bleibt als Consultant.[10][2] Trixie wird künftig im Pet-Segment von Central geführt.[10]

Der Deal auf einen Blick

| Position | Detail | |---|---| | Ziel | Trixie Heimtierbedarf GmbH & Co. KG, Tarp (Schleswig-Holstein)[10] | | Käufer | Central Garden & Pet Company, Walnut Creek (NASDAQ: CENT/CENTA)[10] | | Verkäufer | Bonnik Hansen, Dirk Jessen, Volker Haak[10] | | Struktur | rund 80 % Anteilskauf; Altgesellschafter behalten rund 20 % mit Put/Call über mindestens 3 Jahre[14] | | Preis | bis zu 400 Mio. €, davon rund 340 Mio. € Cash und Earn-out bis 60 Mio. €[14] | | Berater | Trixie: Deutsche Bank (Finanzen), Gibson Dunn (Recht) · Central: Rothschild & Co (Finanzen), Freshfields (Recht)[10] | | Closing | erste Hälfte des Central-Geschäftsjahres 2027, vorbehaltlich Genehmigungen[14][5] | | Management | bleibt: Jessen, Friedrichsen, Bollerey[10] |

Warum ausgerechnet der Heimtiermarkt?

Der europäische Markt für Heimtierzubehör und -snacks ist rund 10 Milliarden Euro groß und wächst im mittleren einstelligen Bereich.[10][14] Zwei Trends tragen das Wachstum: Menschen behandeln ihre Tiere zunehmend wie Familienmitglieder, und sie geben mehr für Qualität und Markenprodukte aus.[10] Trixie liegt mit einem Eigenmarkenanteil von 90 Prozent genau in dieser Zone.

Ein Blick nach Deutschland zeigt, wie widersprüchlich das Geschäft ist. Der hiesige Heimtiermarkt lag 2025 bei knapp 7 Milliarden Euro, davon 5,3 Milliarden im stationären Fach- und Lebensmitteleinzelhandel und gut 1,5 Milliarden online.[16] Während Fertignahrung mit rund 4,3 Milliarden Euro stabil blieb, schrumpfte das Segment Bedarfsartikel und Zubehör – genau Trixies Kern – um 4,6 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro.[16] Hundezubehör verlor 6,5 Prozent, Katzenzubehör 5,0 Prozent.[16]

Deutscher Heimtiermarkt 2025 – Segment-Umsätze
Deutscher Heimtiermarkt 2025 – Segment-Umsätze

Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen: Ein schrumpfender Zubehörmarkt, und ein US-Konzern bietet bis zu 400 Millionen Euro. Die Erklärung liegt in der Struktur. Trixie erzielt rund 60 Prozent seines Umsatzes im Export und ist in über 100 Ländern aktiv.[13] Der Fachhandel setzt 76 Prozent des Zubehörs um – der wichtigste Kanal für ein Unternehmen wie Trixie, aber eben nur einer.[16] Und beim Kauf zählt nicht der Tagesumsatz, sondern die Plattform: Marke, Sortiment, Logistik und Fachhandelsbeziehungen, mit denen ein Konzern den fragmentierten europäischen Markt konsolidieren kann.[10] Heimtiere leben in 43 Prozent der deutschen Haushalte, die Branche sichert hierzulande rund 165.000 Arbeitsplätze – strukturell stabil, auch wenn einzelne Segmente atmen.[16]

Zum Marken-Portfolio von Central gehören neben Heimtiermarken wie Kaytee oder Nylabone auch Gartenmarken wie Pennington – ein Konzern, der beide Welten bedient.[10]

Für Central ist Trixie vor allem die Plattform für Europa. Der Konzern erzielt erst rund 10 Prozent seines Umsatzes außerhalb der USA und übernimmt mit Trixie eine starke Marke plus Logistik, Fachhandelsbeziehungen und Marktkenntnis in Dutzenden Ländern.[10] Central beschreibt Trixie ausdrücklich als Basis, um im fragmentierten europäischen Fachhandelsmarkt weitere Zukäufe und Wachstum voranzutreiben.[10]

Was Mittelständler daraus lernen können

Analyse – keine Faktendarstellung.

Der Teilverkauf ist unterschätzt. Viele Inhaber denken beim Exit an den Komplettverkauf. Der Trixie-Deal zeigt eine Alternative: 80 Prozent verkaufen, 20 Prozent behalten, mit Put/Call-Rechten, die beiden Seiten eine geordnete Trennung ermöglichen.[14] Für einen Gründer, der sein Werk nicht von heute auf morgen loslassen will, ist das oft die ehrlichere Antwort – auch wenn es mehr Verhandlungsgeschick braucht.

Earn-outs verteilen das Risiko. Die bis zu 60 Millionen Euro hängen am Ergebnis 2026.[14] Wer überzeugt ist, dass das Unternehmen weiter wächst, kann damit den Kaufpreis steigern. Wer unsicher ist, sollte sehr genau prüfen, wie die Zielgrößen definiert und gemessen werden.

Kontinuität ist ein Verkaufsargument. Dass das Management bleibt und die Altgesellschafter Minderheitsanteile behalten, ist offenbar Teil der Vereinbarung – Central betont es selbst.[10] Käufer zahlen für funktionierende Teams. Wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufsreif machen wollen: Bereiten Sie Übergabe-Vereinbarungen vor, statt bis zum letzten Tag zu warten.

Der Zeitpunkt ist knapp – aber nicht automatisch günstig. Das IfM Bonn rechnet für 2026 bis 2030 mit rund 186.000 Unternehmen in Deutschland, die zur Übergabe anstehen.[15] Gut die Hälfte der Familienunternehmen wird familienintern gelöst, rund 17 Prozent gehen an Beschäftigte und 29 Prozent an Externe.[15] Zugleich stagniert die Zahl der wirtschaftlich attraktiven Übergaben: Schwächere Erträge machen einen Teil der Unternehmen für Käufer uninteressant.[15] Wer extern verkaufen will, braucht deshalb nicht nur Zeit, sondern ein Unternehmen, das ohne den Inhaber funktioniert.

Wie Familienunternehmen ihre Nachfolge lösen
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Was bleibt

Der Trixie-Deal zeigt, wie ein geordneter Übergang aussehen kann: Der Gründer verkauft die Kontrolle, das operative Team bleibt, ein Teil des Kaufpreises hängt an der künftigen Leistung und die bisherigen Gesellschafter behalten vorerst einen Anteil.[10][14] Für andere Unternehmer ist das kein Bauplan zum Kopieren. Aber es ist ein konkretes Gegenbeispiel zu der Vorstellung, ein Unternehmensverkauf müsse ein harter Schnitt sein.

Die wichtigsten Fragen zum Trixie-Deal

Wer hat Trixie gekauft?
Central Garden & Pet, ein börsennotierter US-Konsumgüterkonzern (NASDAQ: CENT/CENTA) mit Sitz in Walnut Creek, Kalifornien, und 3,1 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2025.[10]

Was kostete der Deal?
Bis zu 400 Millionen Euro für rund 80 Prozent: rund 340 Millionen in bar plus ein Earn-out von bis zu 60 Millionen, abhängig vom Ergebnis 2026.[14]

Was passiert mit dem Standort Tarp und den Mitarbeitenden?
Die rund 600 Mitarbeitenden bleiben; Geschäftsführung und Standort werden laut Unternehmensangaben fortgeführt.[10][5]

Wer hat die Seiten beraten?
Trixie: Deutsche Bank (Finanzen) und Gibson Dunn (Recht). Central: Rothschild & Co (Finanzen) und Freshfields (Recht).[10]

Wann ist der Deal abgeschlossen?
Voraussichtlich in der ersten Hälfte des Central-Geschäftsjahres 2027, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.[14][5]

Alle Fakten wurden am 3. August 2026 aus öffentlichen Quellen verifiziert (Pressemitteilungen, SEC-Meldung, Fach- und Wirtschaftsmedien). Analyse-Abschnitte sind als solche gekennzeichnet.

Sources

[2] https://www.petonline.de/daten/news/2026/07/27/free/central-garden-pet-uebernimmt-trixie.html — petonline: Central Garden & Pet übernimmt Trixie
[5] https://www.juve.de/deals/central-garden-pet-holt-mit-freshfields-trixie-ins-koerbchen — JUVE: Central Garden & Pet / Trixie
[10] https://ir.central.com/news-events/press-releases/detail/485/central-garden-pet-to-acquire-a-majority-interest-in — Central Garden & Pet IR: Majority interest in TRIXIE (27.07.2026)
[11] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/heimtierbedarf-trixie-gruender-bonnik-hansen-verkauft-nach-52-jahren-in-die-usa-201068579.html — FAZ: Trixie-Gründer Bonnik Hansen verkauft nach 52 Jahren in die USA
[12] https://www.petonline.de/daten/news/2019/03/05/bonnik-hansen-wird-70.html — petonline 2019: Bonnik Hansen wird 70
[13] https://www.trixie.de/de/unternehmen/aktuelles/trixie-feiert-50-jahre-und-ein-neues-erscheinungsbild — TRIXIE: 50 Jahre Firmengeschichte
[14] https://www.stocktitan.net/sec-filings/CENT/8-k-central-garden-pet-co-reports-material-event-d5d80da5bcb6.html — StockTitan: CENT 8-K (€400m TRIXIE)
[15] https://www.ifm-bonn.org/fileadmin/data/redaktion/publikationen/daten_und_fakten/dokumente/Daten-und-Fakten-37_2025.pdf — IfM Bonn: Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030
[16] https://www.zzf.de/marktdaten/der-deutsche-heimtiermarkt — ZZF: Der deutsche Heimtiermarkt 2025